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25.05.18, 10:37 Uhr
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HORNS UP! Big Band Jazz
 


Souveräne Botschafter

"Vox Orange" und die Bigband "Horns Up" im Stadttheater

Landsberg (anha).
Der Glanz einer Ära, in deren Blütezeit swingende Vokalisten und jazzende Combos gewissermaßen zur Grundausstattung von Szeneclubs und Musiklounges gehörten, ist am Samstag ins Landsberger Stadttheater zurückgekehrt. "Take Jazz" lautete die Aufforderung des A-cappella-Ensembles Vox Orange" und der Bigband-Formation "Horns Up", der das Publikum in großer Zahl gefolgt war.

 

Taufrisch sind die Bande der Zusammenarbeit, haben die beiden Gruppen doch erst vor einem Jahr bei einem Jazz-Workshop in Marktoberdorf die ersten Schritte "unisono" gewagt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Unter der Leitung von Wolfgang Diefenbach, der auch dem hessischen Landesjugend-Jazzorchester voransteht, entwickelte sich ein ebenso fundiertes wie reichhaltiges Changieren von raukehlig- subtiler Instrumentalsprache und schillernden Gesangsdarbietungen, das die begeisterten Zuhörer immer wieder zu Szenenapplaus hinzureißen vermochte.
 
Kühles Understatement
Als souveräne Botschafter der Blue Notes sollte sich neben dem kühlen Understatement von Perkussion und Trompeten nicht zuletzt die soundstarke Saxophon-Bastion erweisen: Ob im melancholischen Lamento des bluesigen "Moain'", in dem die sonore Tieflage des Bariton-Sax ganz auf ihre Kosten kam oder im typischen Gusto eines entspannten Swingtempos, stellten die Bandmitglieder ihre expressive Tonsprache in einer Vielzahl von Soli unter Beweis. Raunendes Klangvolumen, dazu schummrige und lebhafte Interpretationen von Jazzklassikern wie "Blue Moon" und "Get a Kick Out of You" schmiegten sich an eine beherzte Rhythmik - ein offener Zyklus, in den sich der jazzige Glamour von "Vox Orange" nahtlos einfügen konnte.
 
Umfangreiches Repertoire
Mit origineller Note und musikalischem Witz unterbereitete das fünfköpfige Gesangsensemble ein umfangreiches Stückerepertoire, das von Stevie Wonder bis Frederic Chopin reichte, um dabei nie der swingenden Maxime des Abends untreu zu werden. Im Gegenteil: Erfrischend experimentierfreudig präsentierte sich der Esprit, mit dem das Quintett Altmeister Chopins Prelude Opus 28 allein durch gesangliche Mittel zum Besten gab. Den ehernen Charme des Evergreens "Sentimental Journey" bettete das Ensemble ein in eine gewitzte A-capella-Interpretation, die sich fernab pathetischer Gefühlsregungen bewegte. Reichlichen Applaus erntete "Vox Orange" zudem für den Titel "Tumo katika safari", die lautmalerische Erzählung eines Afrika-Trips, in der sich insbesondere die Mouth-Percussion als ornamentales Schmuckstück erweisen sollte. Insgesamt ein runder und stimmiger Austausch zwischen Gesangsgruppe und Bigband, der die in Patina gegossene Sparte des Jazz zum Leuchten brachte.

Landsberger Tagblatt, 21. Oktober 2002


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